30 07 2013

Ich habe meine Seiten www.hoer-stoff.de und www.textchemie.de zusammen gelegt und werde ab sofort hier neben neuen Texten, auch neue Musik von mir veröffentlichen. In der Hauptsache werden es Texte und Musik von meiner LP “Letzter Tag” sein. In den kommenden Wochen erscheinen hier die Interlude-Texte, sowie Anmerkungen zu den einzelnen Stücken.

Die Musik kann hier angehört werden.

 



Licht an

20 10 2011

Licht an

LICHT AN!!!

  1. Stock, Wohnung 101

Und es ist wieder einer dieser Abende. Er sitzt, versunken in seine Manuskripte da, nippt abwesend abwechselnd an seinem Rotwein und am, mit Vulkangestein gefiltertem, Wasser gefüllten Glas. Der Stift fliegt über das Blatt Papier und hinterlässt dabei kleine Wirbel im grauen das Zimmer verhängenden Zigarettenrauch. Mit wirrem Blick schmeißt er ein weiteres Blatt Papier in den mit Glücksbärchis beklebten Mülleimer. Er rauft sich die Haare und bemerkt dabei nicht die kahlen Stellen auf seinem Kopf, die durch das nervöse kratzen und Raufen derweil entstanden sind.

  1. Stock, Wohnung 145

Christian sitzt in seinem Wohlfühlsessel. In der linken Hand ein Joint, in der rechten Hand sein Schwanz. Im Fernsehen treiben es Carry und Mr. Big. Ich werde wieder schlecht schlafen heute Nacht.

  1. Stock, Wohnung 328

Andreas sitzt an seinem Schreibtisch und schreibt an einem neuen Text für den nächsten Poetry Slam in Mainz. Seine voyeuristischen Gedanken erschrecken ihn.

Erdgeschoss, Wohnung 032

Markus studiert Philosophie und Germanistik auf Taxifahren für Akademiker. Die letzte Hausarbeit und die letzte Prüfung waren wohl nicht so gut. Heute Abend ist Poetry Slam in Mainz. Da sitzt er sicher wieder in der Jury. Irgendwie schafft er es immer dabei zu sein. Den Frust kann man so gut an Slampoeten auslassen, die können ihm schließlich nichts anhaben.

  1. Stock, Wohnung 121

EEEEEEEEEEEEEELSE!!!! schreit Marc durch die Wohnung. Wo bleibt mein Bier, wo hast du die Fernbedienung schon wieder versteckt und warum verdammt noch mal hast du kein Essen gekocht? EEEEEEEEEEEEEELSE!!!! EEEEEEEEEEEEEELSE!!!!! Else ist nicht mehr da. Seit einem Monat ist sie mit Mareike aus dem Nachbarhaus zusammen. Heute morgen ist sie ausgezogen. Auf dem Küchentisch liegen die Scheidungsunterlagen.

  1. Stock, Wohnung 498

Markus kommt von der Arbeit nach Hause, war heute wieder länger im Büro, war viel zu tun. Dunja wartet schon lange nicht mehr. Wenn er wüsste, dass vorhin sein Bruder da war.

Wenn Sie wüsste, dass Ihr Bruder mit ihm die Abende teilt.

5. Stock, Wohnung 546

Oh, mein Zimmer, mal wieder nicht aufgräumt, saugen wäre mal auch wieder nötig, die Unterhosen könnte ich auch mal direkt in den Wäschekorb schmeißen.

Und was macht meine Mitbewohnerin da alleine auf meinem Bett? Nackt?!

  1. Stock, Wohnung 376

Roswitha, Annalena, und Carolina tragen schon Nachthemden und machen eine wilde Kissenschlacht. Die Feder fliegen wild durch den kleinen Raum. Carolina packt „Die perfekte Liebhaberin“ aus und zeigt Roswitha mit Annalenas Dildo die beste Methode einen Mann zu verwöhnen.

  1. Stock, Wohnung 643

Sabrina wird mal wieder verlassen. Sie sitzt weinend auf ihrem Bett, während der Typ immer wieder sagt, wie gern er sie hat, dass es nicht wegen ihr sei, und dass sie doch Freunde bleiben könnten, dass sie halt nicht seine Traumfrau wäre, er aber die Traumfrau suche und ihre beste Freundin seine Traumfrau sei und sie halt viel besser zusammen passen würden.

  1. Stock, Wohnung 234

Timo ist jetzt seit über 30 Stunden wach, „World of was weiß ich zwei“ hat er nun fast durchgespielt, neben ihm der eingeweichte Pappbecher seiner Cola, die er vor knapp 18 Stunden zu seinem Burgermenü, für dass er das Haus 12 Minuten verlassen hat, bekam. RedBull und dreifache Espressi helfen nun auch nicht mehr. Die harte Methode muss her. Koffein pur. Die Beine kann er kaum mehr ruhig halten. Auch das zielen mit der Maus fällt ihm schwerer, die Augen sind am Dauerblinzeln. Noch zwei Levels…

  1. Stock, Wohnung 187

Melanie sagt ihrem Freund, dass sie schwanger ist, trotz Kondom. Er ist geschockt, verlässt das Haus. Ich sehe ihn Zigaretten am Automaten ziehen. Dann ist er aus meinem Blickfeld verschwunden.

  1. Stock, Wohnung 521

Paul sitzt in seinem Schaukelstuhl und raucht wie jeden Abend seine Pfeife und liest  zum xten Mal einen Edgar Allen Poe. Seine Frau ist im letzten Herbst gestorben. Seine Enkel besuchen ihn schon lange nicht mehr. Schade eigentlich. Jetzt, da er Zeit hat.

Erdgeschoss, Wohnung 098

Gunhild sitzt in ihrem Schaukelstuhl und häkelt einen Schal. Eigentlich wollte sie nie ins Erdgeschoss ziehen. Da hat sie viel zu sehr Angst vor Einbrechern. Ihr Ehemann ist schon vor über zehn Jahren gestorben. Ihre Enkel besuchen Sie schon lange nicht mehr. Und über ihre selbst gehäkelten Socken und Schals freuen sie sich auch nicht mehr so wie früher. Schade eigentlich. Jetzt, da sie Zeit hat.

  1. Stock, Wohnung 419

Frauke ist leicht angetrunken. Christian auch. Sie ist schon 25. Heute soll es endlich passieren. Es ist ihr erstes Mal. Er weiß es nicht. Für sie die Nacht ihres Lebens. Für ihn eine von vielen. Morgen wird er sich vermutlich nicht mal an ihren Namen erinnern können.

  1. Stock, Wohnung 217

Frederik duscht. Heiß. Er duscht lange. Immer. Versucht den Dreck abzuwaschen. Wenn er betrunken nach Hause kommt und dann wieder nicht mehr Herr seiner Sinne ist und seine Frau dann nebenan weinend auf dem Bett liegt. Helfen lassen. Geht nicht. Er ist stark. Das war das letzte Mal. Glaubt er.

  1. Stock, Wohnung 543

Carsten kann nicht schlafen, seine Schwester ist wieder unruhig und träumt schlecht. Sein Vater kommt ins Zimmer und versucht sie beide zu beruhigen. Carsten kann vieles noch nicht verstehen. „Wo ist Mama, wann kommt Mama wieder?“ – „Mama schaut jetzt von oben auf dich herab und passt auf dich auf.“

  1. Stock, Wohnung 476

Manfred wurde gestern nach über 30 Jahren entlassen. Neben seiner Abfindung hat er Wasserstoffperoxid und Aceton mitgehen lassen. Morgen will er noch einmal mit seinem Chef reden. Und mit den Kollegen. Ein letztes Mal.

  1. Stock, Wohnung 367

Ole stellt die drei Flaschen Wodka und die Packung Schlaftabletten, die er heute Nachmittag gekauft hat auf den Küchentisch. Heute morgen hat er erfahren, dass der Tumor in seinem Kopf die Größe eines Tennisballs hat und er deswegen ständig Schwindelkeit verspürt und dass er nur noch maximal 2 Wochen zu leben hat. Er schüttet sich das erste Glas ein.

LICHT AUS!



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7 03 2010

Hallo,

da es mit den Spamkommentaren leider ein wenig überhand genommen hat, sind Kommentare ab sofort nur noch über das Kontaktformular möglich.

Grüße
Andreas Höfler