Pause

22 02 2008

Ich brauch mal ne Pause, trete einen Schritt zurück, um einen Augenblick zu verweilen, das Leben zu genießen, und um über den nächsten Schritt nachzudenken; um dann zwei Schritte nach vorne zu machen es einfach nur geschehen zu lassen.
Ich brauch mal ne Pause, von Gedanken, die mich den ganzen Tag beschäftigen, von Gestern, von vorhin, von heute, von jetzt, vom gedankenlos durch den Tag stolpern, von den Warnwitzigkeiten des alltäglichen Leichtsinns; von überfüllten Köpfen, die der nächste Tropfen zum Überlaufen bringt.
Ich brauch mal ne Pause, vom Plattenteller des Lebens, mache einen Backspin, drücke auf Stop, hebe den Tonarm, um eine neue Platte, ohne Kratzer, ohne Staub, nicht ausgeleiert, aufzulegen, um von vorne zu beginnen; mit einem neuen Soundtrack zum Leben, um dann im Rausch von pumpenden pulsierenden Bässen und grellen Lichtern mit einem neuen Takt, einem neuen Rhythmus, neu zu beginnen.
Ich brauch mal ne Pause, von den Menschen, die zu viel denken, noch mehr sagen und proportional wenig Taten folgen lassen; von Menschen, die zu wenig denken, nichts sagen und zu viele Taten folgen lassen; von Menschen die lethargisch in der Ecke sitzen, das Leben vorbei ziehen lassen,
ohne mit der Wimper zu zucken, ohne auch nur einen Herzschlag daran zu verschwenden, was kommen soll.
Ich brauch mal ne Pause, von Seifenopern, Telenovelen, mitternächtlichen Titten-Quiz-Shows und Seelenstriptease im TV; von oberflächlicher Werbung, für geistig tiefliegende Prdukte.
Ich brauch mal ne Pause, von Handyklingeln in der Straßenbahn, von Kids deren einziger Lebensinhalt darin zu bestehen scheint, sich Joints, Alkohol und den neuestens Klingelton, von der neuesten Teenie-Ich bin ein One Hit Wonder- Super – Popstars-Band rein zuziehen.
Ich brauch mal ne Pause, von sinnlosen Floskeln und leeren Phrasen, die mir sagen „keep it real“ „Kopf hoch“ und „das wird schon“; denn das wird nicht, wenn man nichts macht, und man bleibt stehen, wenn man sich nicht bewegt umd man dreht sich im Kreis, wenn man sich einseitig bewegt, es kommt zum Stillstand, wenn alle vorwärts gehen und man selbst zurück geht.
Ich brauch mal ne Pause, von „lass uns doch Freunde sein“, von hunderten sms als liebesbeweis, einer sms, um mit mir Schluss zu machen, von email, statt Liebesbrief, von Telefon, statt in die Augen schauen, von den Gedanken an die große Liebe, dich ich kenne, aber dennoch verloren habe, die einen Teil von mir hat sterben lassen und mich trotzdem weiterhin am Leben hält.
Ich brauch mal ne Pause, von starren Bewertungssystemen und vermeintlich gesellschaftlichen Normen, die mir vorschreiben wollen, was ich bin und wer ich bin; die zu eng gefasst sind, um einen Menschen zu erkennen, die zu weit gefasst sind, um einen Menschen fassen zu können.
Ich brauch mal ne Pause, für das Leben, für die Lebe, das leben lassen, das Leben lassen, für einen Gedanken, der noch nicht gedacht wurde, für die Menschen, die genauso denken, für Musik in meinen Ohren, für Worte aus meinem Mund, für einen Blick aus deinen Augen, für einen Augenblick, für einen Moment Zeit, in einer Welt, deren Zeit zu schnell verstreicht.
Ich brauch mal ne Pause, um dich zu finden.
Ich brauch mal ne Pause, um mich selbst zu finden